Dedikationseinbände des AEB

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Dedikationseinbände des AEB 2015
 
Dedikationsband 2015 (Darmstadt) von Helmut Pantele (Massenhausen)
zur Einband-Forschung Heft 35, Oktober 2014

Das Interesse an der Geschichte seines Berufes und die Erforschung historischer Einbände führte Helmut Pantele zum AEB. Seit seiner Buchbinderlehre in den 1960er und 1970er Jahren ist ihm die Geschichte des Buches zum Nährboden seines Berufes geworden. Andererseits sind es gegenwärtige Erscheinungsformen, die zur Herausforderung seines buchbinderischen Handelns werden. Nach der Meisterprüfung im Jahre 1973 wurde er Restaurator an der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg und anschließend von 1975 bis 1981 am Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung der Bayerischen Staatsbibliothek München. 1981 wurde die Gründung einer eigenen Buchbinderfirma in Ottobrunn zunächst zu einer existenziellen Herausforderung, die er so beispielhaft löste, dass er schon bald zum Stellvertreter und von 1997 bis 2001 zum Obermeister der Buchbinder-Innung von München und Oberbayern gewählt wurde. Über Bayern hinaus war er von nun an auch für den BDBI als Meisterausbilder und in der restauratorischen Weiterbildung tätig. In seiner heutigen Firma in Massenhausen finden bibliophile Wünsche fachkundiges Verständnis und Ausführung.

Der AEB-Auftrag für einen Dedikationsband zu einem Heft der „Einband-Forschung“ stellte den Praktiker, fachkundigen Beurteiler buchbinderischer Leistungen, erfahrenen Restaurator vor eine schwierige Entscheidung. „Wenn man sich dazu noch als Handwerker versteht und nicht als Einbandkünstler, hat man ein großes Problem. Da kam mir mein Band für einen Wettbewerb der Buchbinder-Innung München zu pass. Ein modernes Material, dünne Steinplatten (Copper, Stone-Vermeer) boten sich an.“
Für die Deckel bezog er Steinfurnier der Firma Richter Furniertechnik. Die monumentale Wirkung der getönten Steinflächen, die auf dem Vorderdeckel stehen, wird durch die Gravierung der Buchstaben „AEB“ erhöht. Diese Gravur wurde nach etlichen missratenen Versuchen von einem klassischen Gravurbetrieb, der ansonsten Messingklischees liefert, ausgeführt. Für den Rücken wählte Helmut Pantele in Abstimmung auf die farbliche Wirkung der Deckel rotgefärbtes Pergament, das den Rückentitel tragen sollte. Dabei musste Helmut Pantele eine weitere Firma um Hilfe bitten. Drei fertige Pergamentrücken wurden von ihm für Versuchszwecke auf eine Pappe montiert. Dann wurde die Schrift mittels Laser auf das Pergament übertragen, wobei die oberste Farbschicht des Pergamentes verschwand  und dafür die natürliche Farbe mit der Schrift zum Vorschein kam.
Weniger technische Probleme bereitete die Verbindung der Deckel mit dem Buchblock. Bereits bei seinem ersten Steinbuch hatte Helmut Pantele den Spiegel von Border zu Border geklebt, um keine störenden Kanten zu erhalten.
Bei der Wahl des Buntpapiers für das fliegende Blatt kommt die besondere Beziehung Helmut Pantele zur englischen Buchgestaltung zum Ausdruck. Die ästhetische Farb- und Motivwahl eines jugendstiligen Marmorpapiers aus der Werkstatt des englischen Buchbinders Douglas Cockerell bringt die Begeisterung und die Anerkennung für ein großes Vorbild der modernen Einbandkunst zum Ausdruck.
Gleichzeitig kann der Dedikationsband des AEB an eine Tradition anknüpfen, die im deutschen Buchschaffen zu Beginn des 20. Jahrhundert auch in Darmstadt mit den Drucken und Einbänden der Ernst Ludwig Presse ihre Spuren hinterlassen hat.

Auszug aus: Helma Schaefer: Buchbinderische Herausforderungen. In: Einband-Forschung H. 37(2014) S. 4-6.

Homepage: http://www.buchbindereimuenchen.de/


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