Dedikationseinbände des AEB

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Dedikationsband 2007 (Wolfenbüttel) von Ireen Kranz (Burg Giebichenstein/Halle)

zur Einband-Forschung Heft 20, April 2007

Der Handeinband, der in diesem Jahr als Geschenk des AEB der Herzog August Bibliothek übergeben wird, entstand in der letzten deutschen Kunsthochschule, zu deren Lehr- und Studienprogramm noch ein Fachbereich für Einbandgestaltung gehört. Ireen Kranz (geb. 1974 in Hamburg) hat seit 2001 an der Burg Giebichenstein im Fachbereich bei Frau Prof. Lobisch studiert. Ihre praktischen buchbinderischen Erfahrungen, die sie während ihrer Lehrzeit in Hamburg und auf einer dreijährigen Wanderschaft erwarb, festigte sie vor Studienbeginn in einem weiteren praktischen Jahr in der Dorfner-Werkstatt in Weimar. Der Handeinband, den Ireen Kranz im Auftrag  des AEB zum 20. Heft der „Einbandforschung“ geschaffen hat, lebt in seiner ästhetischen–gestalterischen Wirkung von der harmonischen Auslotung der Wirkungsmöglichkeiten des Bezugspapiers. Das Wechselspiel der Flächen in grün-braunen und violetten Farben, die in unterschiedlicher Intensität die verschieden geformten Flächen sich voneinander abheben lassen, wird durch Reservetechnik hervorgerufen, bei der mit vier Farbschichten gearbeitet worden ist.
Die ästhetisch-elegante Gesamtwirkung dieses Pappbandes wird durch die Übertragung des Bezugspapiers auf die Gesamtfläche von Vorderdeckel, Rücken und Hinterdeckel erreicht. Lediglich der Kopf des Rückens wird farblich  hervorgehoben und als rechteckige Fläche betont, so als könne man den Titel des Bandes hier erwarten. Aber Ireen Kranz verzichtet zugunsten der Gesamtgestaltung auf den Titeldruck.
Der auf bestimmten Farben und deren Flächenwirkung beruhende Gesamteindruck setzt sich beim Aufschlagen des Einbandes fort. Vom Spiegel über das fliegende Blatt und dessen Rückseite erlebt der Betrachter eine Ouvertüre, die zum früheren Umschlag des eigentlichen Buchblockes führt. Der weiße Umschlag wird von der farbigen Abbildung eines kreisrunden Renaissance-Einbandes von Gregor Schenk beherrscht. Die ungewöhnliche Form dieses Würzburger Einbands regte Ireen Kranz zu ihrem phantasievollen Spiel mit Flächen und Farben auf dem Buntpapier-Bezug ihres Handeinbandes an.
Im kommenden Jahr wird Ireen Kranz ihr Studium auf der Burg Giebichenstein in Halle beenden. Befragt nach zukünftigen beruflichen Plänen antwortet sie darauf mit einem Vorhaben, gemeinsam mit ihren Kommilitonen einen Verein zu gründen, in dem sie zusammen die zukünftigen Möglichkeiten der Konzeptkunst Buch ausloten wollen. Diese Vorstellungen und der der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel überreichte Handeinband von Ireen Kranz geben zu der optimistischen Erwartung Anlass, dass für das moderne Einbandschaffen in Deutschland künstlerische Konzepte gefunden werden.

Auszug aus:
Schaefer, Helma: Konzepte für die moderne Einbandkunst in: Einband-Forschung Heft 21/Oktober 2007 S. 16-17



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